Sonnenhellweg-Schule und Inklusion

  1. Die UN-Konvention zur Inklusion beinhaltet u.a. die Wahlfreiheit der Eltern zwischen den verschiedenen schulischen Förderorten ihrer Kinder. Eltern, die eine spezialisierte heilpädagogische Förderung ihres Kindes wünschen, können sich weiterhin für eine Förderschule entscheiden.

  2. Die aktuellen Förderschulschließungen betreffen das Auslaufen öffentlicher (städtischer) Förderschulen, vor allem im Förderbereich Lernen.

  3. Das in Bielefeld seit 1978 bestehende pädagogische Angebot der Sonnenhellweg-Schule für Seelenpflege-bedürftige Kinder und Jugendliche wird es auch zukünftig geben. Das Schulministerium hat unserer Schule die Nachhaltigkeit schriftlich bestätigt.

Die UN-Konvention zur Inklusion beabsichtigt die Teilhabe aller Menschen mit jedweder Form von Einschränkung ob seelisch, körperlich oder intellektuell am allgemeinen gesellschaftlichen Leben, sei es Beruf, Schule oder Freizeit.

Dieses Ziel gilt es eindeutig zu begrüßen und spiegelt den Grundgedanken der anthroposophischen Menschenkunde wieder. Danach ist jeder Mensch im Kern seines Wesens heil, er kann jedoch im konkreten Leben durch unterschiedlichste Ursachen mehr oder weniger umfangreiche Entwicklungserschwernisse haben bzw. ihnen ausgesetzt gewesen sein. Diese Beeinträchtigungen mindern jedoch in keiner Weise seinen Wert als Mensch. Insofern stimmen wir dem Ziel seiner Teilhabe am allgemeinen gesellschaftlichen Leben, seiner Inklusion, vollkommen zu.

 

Wir sehen derzeit aber gute Gründe, auch weiterhin ein Kind mit Lern- und Entwicklungsrückstand oder besonderen emotionalen Beeinträchtigungen an unserer Schule anzumelden. Es wird von der Eingangsstufe an seine gesamte Schulzeit die Sonnenhellweg-Schule besuchen können, wenn dies von den Eltern gewünscht wird:

 

  1. Wir sind mit ca. 130 Schülern in 12 Jahrgangsklassen von unserer Eingangsstufe bis zu unseren Werkstufenklassen für Schüler und Eltern eine gut überschaubare Einrichtung und bieten den Schülern mit unserem bewährten Klassenlehrerprinzip für die ersten 8 Schuljahre einen festen menschlichen Beziehungsrahmen. Schüler und Lehrer kennen sich. Gerade der verlässliche menschliche Beziehungsaspekt ermöglicht vielen unserer Schüler erst den gelungenen Einstieg in größere gesellschaftliche Zusammenhänge.

  2. Erleben – Lernen – Gestalten: Nach diesem Leitbild wird der Tag mit Förderangeboten für Fühlen, Denken und Handeln möglichst ausgewogen für eine harmonische Entwicklung strukturiert. Waldorfpädagogik bedeutet Förderung in den künstlerischen Fächern Religion, Eurythmie, Malen, Musik und Theater, in den handwerklichen Epochen und Fächern Handarbeit, Schreinern, Schmieden, Plastizieren, Schnitzen, Weben, Töpfern, Bildhauerei, Hauswirtschaft und in der Themenarbeit des Hauptunterrichtes, z.B. Schriftspracherwerb, Erstrechnen, sachkundliche Themen bis hin zu Geschichte, Biologie und Arbeit mit Literatur. Dazu kommen Spielturnen, Sport und Schwimmen.

  3. Ergänzend gibt es spezielle Förder- und Therapieangebote:
    Extrafördergruppen für Schüler mit ihren sehr unterschiedlichen, individuell ausgeprägten Bedürfnissen, Umgang mit Tieren in Einzelförderung oder Kleinstgruppen, heilpädagogisches Malen, rhythmische Einreibungen und Heileurythmie, Logopädie und Krankengymnastik nach ärztlicher Verordnung.

  4. Eine überschaubare Örtlichkeit, ein von wiederkehrenden Rhythmen durchzogener Tages- und Jahreslauf (Feste) vermitteln unseren Schülern eine sozial-emotionale Sicherheit, die zur individuellen Entwicklung in einem harmonischen Schulganzen beiträgt. So ist es in der Vergangenheit immer wieder gelungen, z.B. Schülern aus integrativ arbeitenden Regelschulen nach Abschluss der dort möglichen Förderung bei uns eine neue Heimat zu bieten, in der sie sich sozial anerkannt und angenommen fühlen und besonders in den lebenspraktischen Entwicklungsbereichen Lern- und Erfahrungszuwächse erleben können.

 

In unserer auf Schnelligkeit und Leistung hin orientierten Gesellschaft gibt es Kinder, denen mit besonderen pädagogischen Differenzierungsmaßnahmen in einer kleinen Einrichtung eher zu sozialer Teilhabe verholfen werden kann. Erst nach Erwerb von sozial-emotionaler Stabilität waren viele unserer ehemaligen Schülerinnen und Schüler für berufliche Qualifizierungsmaßnahmen befähigt und konnten so zu einem für sie befriedigenden und autonomen Lebensstil finden. Für viele unserer Schüler führten die erst in den 60/70er Jahren des 20. Jahrhunderts begründeten Förderschulen zu verbesserten Entwicklungsmöglichkeiten.

 

Es wird sich erst noch zeigen müssen, ob das Ideal eines gemeinsames Lebens und Lernens in Schulen in Wohnortnähe für Kinder mit sehr unterschiedlichen intellektuellen und emotionalen Anforderungen bei gegenseitiger sozialer Achtung verwirklicht wird oder ob durch zusätzliche Einzelbetreuung in großen Schulen eher ein Randgruppendasein stattfindet.

 

 

 

Als Lesehinweis zum Thema Inklusion sei empfohlen: www.erziehungskunst.de/artikel/zeichen-der-zeit/inklusion-moeglichkeiten-und-grenzen/