Inklusion

Förderschulen sollen geschlossen werden - was wird aus der Sonnenhellweg-Schule?

Zu diesen und ähnlichen Fragen zunächst einige rechtliche Anmerkungen.

1. Die UN-Konvention zur Inklusion beinhaltet u.a. die Wahlfreiheit der Eltern über den schulischen Förderort ihrer Kinder. Es wird also auch weiterhin - zumindest für die meisten Förderschwerpunkte - Förderschulen geben.
2. Die aktuellen Szenarien über Schließung beziehen sich auf das mögliche Auslaufen öffentlicher (städtischer) Förderschulen.
3. Konkret im Blickfeld sind hierbei Schulen mit den Förderschwerpunkten Lernen, Sprache, Emotional-soziale Entwicklung.
4. Das in Bielefeld mittlerweile im 34. Jahr bestehende pädagogische Angebot einer Schule für Seelenpflege-bedürftige Kinder und Jugendliche wird es auch zukünftig geben.
5. Als Schule in freier Trägerschaft auf Grundlage der Waldorfpädagogik und anthroposophischen Heilpädagogik kann unsere Schule nicht aus schulpolitischen Gründen geschlossen werden, das Schulministerium hat der Sonnenhellweg-Schule die Nachhaltigkeit schriftlich bestätigt.
6. Dies bedeutet, dass das Ministerium, das die Schließung öffentlicher Förderschulen vorantreibt, der Sonnenhellweg-Schule eine pädagogische Zukunft bezeugt.


Die UN-Konvention zur Inklusion beabsichtigt die Teilhabe aller Menschen mit jedweder Form von Einschränkung, ob seelisch, körperlich oder intellektuell, am allgemeinen gesellschaftlichen Leben, sei es Beruf, Schule oder Freizeit.
Dieses Ziel gilt es eindeutig zu begrüßen und spiegelt den Kern der anthroposophischen Menschenkunde wider. Danach ist jeder Mensch im Kern seines Wesens heil, er kann jedoch im konkreten Leben durch unterschiedlichste Ursachen mehr oder weniger umfangreiche Entwicklungserschwernisse haben, bzw. ihnen ausgesetzt gewesen sein. Diese Beeinträchtigungen mindern jedoch in keiner Weise seinen Wert als Mensch.  Insofern stimmen wir dem Ziel seiner Teilhabe am allgemeinen gesellschaftlichen Leben, seiner Inklusion, vollkommen zu.

Wir sehen derzeit aber gute Gründe, auch weiterhin ein Kind mit (evtl. vorhandenem) sonderpädagogischem Förderbedarf an unserer Schule anzumelden – es wird von Klasse 1 an seine gesamte Schulzeit die SHS besuchen können, wenn dies von den Eltern gewünscht wird.

1. Wir sind mit ca. 130 Schülern in 15 Jahrgangsklassen von Klasse 1 bis zu unseren Werkstufenklassen für Schüler und Eltern eine gut überschaubare Einrichtung und bieten den Schülern mit unserem bewährtem Klassenlehrerprinzip für die ersten 8 Schuljahre einen festen menschlichen Beziehungsrahmen. Schüler und Lehrer kennen sich.
2. Erleben – Lernen – Gestalten: Nach diesem Leitbild wird der Tag mit Förderangeboten für Fühlen, Denken und Handeln möglichst ausgewogen für eine harmonische Entwicklung strukturiert. Waldorfpädagogik bedeutet Förderung in den künstlerischen Fächern Religion, Eurythmie, Malen, Musik und Theater, in den handwerklichen Epochen und Fächern Handarbeit, Schreinern, Schmieden, Plastizieren, Schnitzen, Weben, Töpfern, Bildhauerei, Hauswirtschaft und in der Themenarbeit des Hauptunterrichtes, z. B. Schriftspracherwerb, Erstrechnen, sachkundliche Themen bis hin zu Geschichte, Biologie und Arbeit mit Literatur. Dazu kommen Spielturnen, Sport und Schwimmen.
3. Ergänzend gibt es spezielle Förder- und Therapieangebote:
Extrafördergruppen für Schüler mit ihren sehr unterschiedlichen, individuell ausgeprägten Bedürfnissen, Umgang mit Tieren in Einzel- oder Kleinstgruppen,  heilpädagogisches Malen und Einreibungen, Logopädie und Krankengymnastik nach Verordnung.
4. Eine überschaubare Örtlichkeit, ein von wiederkehrenden Rhythmen durchzogener Tages- und Jahreslauf (Feste) vermitteln unseren Schülern eine sozial-emotionale Sicherheit, die zur individuellen Entwicklung und  einem harmonischen Schulganzen beiträgt. So ist es in der Vergangenheit immer wieder gelungen, z. B. Schülern aus integrativ arbeitenden Regelschulen nach Abschluss der dort möglichen Förderung bei uns eine neue Heimat zu bieten, in der sie sich sozial anerkannt und angenommen fühlen und besonders in den lebenspraktischen Entwicklungsbereichen Lern- und Erfahrungszuwächse erleben können.


Inklusion ist ein großartiges Ziel. Wir stehen deshalb in Kontakt zu unseren benachbarten Waldorfschulen. Die pädagogischen Voraussetzungen (z. B. Lehrerteams in den Klassen statt Einzelkämpfer, überschaubare Lerngruppen, auf Inklusion ausgerichtete Elternarbeit) müssen erst noch entwickelt  und finanziert werden. Es werden große Schritte notwendig sein, um ein wirklich gemeinsames Leben und Lernen in Schulen in Wohnortnähe für Kinder mit sehr unterschiedlichen intellektuellen und emotionalen Anforderungen bei gegenseitiger sozialer Achtung zu ermöglichen.  Für die nachschulische Zeit könnte schon jetzt die Frage gestellt werden, wie in unserer auf Effizienz und Leistung getrimmten Arbeitswelt die inklusive Arbeitstätigkeit für Menschen mit Förderbedürfnissen aussehen kann.


Für das Kollegium:

Eckhard Hölkemeier